Tim Mälzer grillt: Diese Aluschalen-Methode macht Würstchen auch ohne Rost saftig

Ende Mai, wenn die Tage länger werden und der erste Duft von gebratenem Fleisch über die Gärten zieht, beginnt die eigentliche Grillsaison in Deutschland. Doch nicht jeder Hobbykoch verfügt über einen teuren Rost oder einen professionellen Kugelgrill. Tim Mälzer, einer der bekanntesten deutschen Fernsehköche, zeigt, wie man Würstchen trotzdem saftig und gleichmäßig gegart auf den Tisch bringt – mit einer simplen Methode, die fast jeder sofort nachmachen kann.

Die sogenannte Aluschalen-Methode ist kein Geheimnis aus einer Sternküche, sondern ein ehrlicher Handwerksgriff, der auf physikalischen Grundprinzipien basiert: Dampf, Wärmeverteilung und kontrolliertes Garen. Wer diese Technik einmal verstanden hat, wird sie nicht mehr missen wollen – egal ob beim spontanen Balkonabend mit Freunden oder beim großen Familiengrillen am Wochenende.

Vorbereitung5 Min.
Garzeit15–20 Min.
Portionen4 Personen
SchwierigkeitEinfach
Kosten
SaisonFrühling / Sommer – Grillsaison, Würstchen, frische Kräuter

Zutaten

  • 8 Stück Bratwurst (z. B. Thüringer, Nürnberger oder grobe Metzgerwurst nach Wahl)
  • 4 EL Bier oder Wasser (zum Befüllen der Aluschale)
  • 1 EL neutrales Pflanzenöl oder Butterschmalz
  • 1 TL grobes Meersalz
  • Frischer Thymian oder Rosmarin (optional, nach Saison)
  • Aluminiumschalen (Einweggrillschalen, ca. 30 × 20 cm)

Zubehör

  • Einweg-Aluminiumschalen (erhältlich im Supermarkt, Baumarkt)
  • Grillzange
  • Küchenmesser
  • Schneidebrett
  • Grill (Kohle, Gas oder auch Campingkocher – die Methode ist universell)

Zubereitung

1. Die Aluschale vorbereiten

Nehmen Sie eine stabile Einweg-Aluminiumschale und verteilen Sie auf dem Boden einen dünnen Film aus neutralem Öl oder Butterschmalz – dazu genügt ein mit Küchenpapier aufgetragener Hauch. Dieses erste Fettpolster verhindert, dass die Würstchenhaut beim ersten Kontakt direkt am Aluminium haftet und reißt. Füllen Sie anschließend zwei bis drei Esslöffel Bier – klassischerweise ein helles Lager oder Pils – in den Boden der Schale. Das Bier erzeugt beim Erhitzen feinen Dampf, der die Würstchen von allen Seiten sanft umhüllt und das Platzen der Haut verhindert. Wer auf Alkohol verzichten möchte, verwendet schlicht lauwarmes Wasser mit einem Schuss Apfelessig.

2. Die Würstchen einlegen

Legen Sie die Würstchen dicht nebeneinander – aber ohne Überlappung – in die vorbereitete Schale. Ein kurzes Einritzen der Haut an zwei bis drei Stellen, wie es viele beim direkten Grillen machen, ist hier ausdrücklich nicht nötig: Gerade das geschlossene Gehäuse der Wurst sorgt dafür, dass der Fleischsaft innen bleibt. Falls Sie frische Kräuter verwenden, legen Sie zwei Zweige Thymian oder Rosmarin unter die Würstchen – die ätherischen Öle der Kräuter gehen beim Dampfgaren sanft in das Fleisch über, ohne zu verbrennen.

3. Die Schale auf den Grill oder Herd stellen

Platzieren Sie die gefüllte Aluschale direkt auf den Rost oder, wenn kein Rost vorhanden ist, auf einen stabilen Grillstein, eine Backsteinunterlage oder den Campingkocher. Bei einem Holzkohlegrill empfiehlt es sich, die Schale in die indirekte Hitzezone zu stellen – also seitlich, nicht direkt über der Glut. Die Temperatur sollte moderat bleiben: 170–190 °C sind ideal, damit die Würstchen innen durchgaren, ohne außen sofort braun zu werden. Der Dampf aus dem Bier beginnt nach etwa zwei bis drei Minuten sichtbar aufzusteigen – das ist das Zeichen, dass der Prozess gestartet ist.

4. Kontrolliertes Garen und Wenden

Nach acht bis zehn Minuten wenden Sie die Würstchen mit einer Grillzange einmal um. Zu diesem Zeitpunkt haben sie bereits eine leicht festere Textur und eine erste zarte Goldfärbung an der Unterseite. Geben Sie bei Bedarf einen weiteren Schuss Bier oder Wasser in die Schale, falls die Flüssigkeit vollständig verdampft ist. Das Nachfüllen verhindert, dass der Boden der Schale trocken läuft und die Würstchen zu brutzeln beginnen, bevor sie vollständig durchgegart sind.

5. Finales Anbräunen (optional, aber empfehlenswert)

Mälzer selbst empfiehlt, die Würstchen nach dem Dampfgaren mit der Zange aus der Schale zu nehmen und sie für zwei bis drei Minuten direkt auf den heißen Rost oder in eine gusseiserne Pfanne zu legen. Diese kurze Phase der direkten Hitze erzeugt die begehrte Maillard-Reaktion – die chemische Umwandlung von Zucker und Proteinen an der Oberfläche, die eine knusprige, leicht karamellisierte Kruste und das typische Röstaroma entstehen lässt. Die Würstchen sind dabei bereits durchgegart, also besteht keine Gefahr des Anbrennens – es genügen wenige Minuten pro Seite, bis die Haut goldbraun und leicht gespannt glänzt.

Mein Chef-Tipp

Im Frühjahr und Frühsommer lohnt es sich, einen Schuss frischen Apfelsaft statt Bier in die Schale zu geben – das gibt der Wurst eine dezente Fruchtsäure, die besonders gut zu grober Bratwurst mit viel Majoran passt. Wer möchte, kann auch eine halbierte Zwiebel mit in die Schale legen: Sie gibt beim Garen Süße und Feuchtigkeit ab und karamellisiert leicht an den Rändern. Den Sud aus der Schale nicht wegwerfen – er eignet sich hervorragend als Grundlage für eine schnelle Senfsauce: einfach mit etwas grobem Senf, einem Löffel Butter und Salz abschmecken.

Getränkebegleitung

Zu Bratwurst sucht man keine komplexe Weinbegleitung – man sucht Frische, ein wenig Bitterkeit und etwas, das die Röstaromen der Wurst aufnimmt, ohne sie zu überdecken.

Ein frisch gezapftes Helles oder Pils aus Bayern oder Franken ist die klassische und stimmigste Wahl: sein feines Hopfenaroma und die leichte Kohlensäure schneiden durch das Fett der Wurst und reinigen den Gaumen. Wer Wein bevorzugt, greift zu einem kühlen Silvaner aus Franken – trocken ausgebaut, mit seiner mineralischen Note und dem niedrigen Alkohol ist er ein überraschend eleganter Begleiter. Als alkoholfreie Alternative passt ein selbst gemachter Holunderblütensirup mit Mineralwasser und ein paar Minzblättern: blumig, spritzig, saisonal.

Wissenswertes rund um die Bratwurst

Die Bratwurst gehört zu den ältesten überlieferten Fleischzubereitungen im deutschsprachigen Raum. Die erste schriftliche Erwähnung einer Nürnberger Bratwurst stammt aus dem 14. Jahrhundert, und die Thüringer Rostbratwurst trägt seit 2014 das EU-Gütesiegel der geschützten geografischen Angabe – eine Auszeichnung, die belegt, dass Herkunft und Rezeptur in der Lebensmittelkultur ebenso zählen wie in der Weinwelt. Jede Region Deutschlands hat ihre eigene Variante: mal grob mit Koriander gewürzt, mal fein mit Muskat und Zitronenschale, mal kurz und knackig aus Nürnberg, mal lang und kräftig aus Thüringen.

Die Aluschalen-Methode ist keine Neuerfindung, aber ihre systematische Popularisierung durch Fernsehköche wie Tim Mälzer hat ihr in den letzten Jahren einen neuen Stellenwert gegeben – besonders für all jene, die ohne professionellen Grillrost grillen: auf dem Balkon, beim Camping, auf Festivals. Die Methode funktioniert sogar auf einem einfachen Campingkocher mit zwei Flammen. Was als Notlösung begann, hat sich als eigenständige Technik etabliert, die die Qualität der Wurst in vielen Situationen sogar übertrifft, was das direkte Grillen leisten kann.

Nährwerte (pro Portion, ca. 2 Würstchen, Richtwerte)

NährstoffMenge
Kalorien~380 kcal
Eiweiß~22 g
Kohlenhydrate~2 g
davon Zucker~0,5 g
Fett~32 g
Ballaststoffe~0 g

Häufige Fragen

Kann man die Würstchen in der Aluschale komplett ohne Rost zubereiten?

Ja, das ist der eigentliche Vorteil dieser Methode. Die Aluschale fungiert selbst als Gargeschirr und überträgt die Wärme gleichmäßig auf die Wurst. Sie können die Schale auf einen Campingkocher, einen Elektrogrill ohne Rost, auf Grillsteine oder direkt auf Kohlen stellen. Das finale Anbräunen direkt auf dem Rost ist optional – wer darauf verzichtet, erhält eine sehr saftige, aber weniger knusprige Wurst.

Welche Würstchen eignen sich für diese Methode besonders gut?

Grundsätzlich alle Bratwurstsorten mit einer natürlichen Schweine- oder Schafsaitlingshaut. Thüringer Rostbratwurst, Nürnberger Bratwürstchen, grobe Metzgerwurst und Schweinebratwurst reagieren besonders gut auf das Dampfgaren, da ihre Haut elastisch bleibt. Vorgekochte Würstchen wie Frankfurter oder Wiener brauchen diese Methode weniger dringend – sie sind bereits gegart und müssen nur erhitzt werden.

Wie verhindere ich, dass die Aluschale auf dem Grill kippt oder verbiegt?

Verwenden Sie stabile Einwegschalen mit einem Fassungsvermögen von mindestens einem Liter – dünnere Backfolien-Formen sind ungeeignet. Achten Sie darauf, die Schale auf einer ebenen Unterlage zu platzieren, und füllen Sie sie nicht zu voll mit Flüssigkeit. Eine leicht erhöhte Randform stabilisiert die Schale zusätzlich. Bei starkem Kohlefeuer empfiehlt es sich, zwei Schalen ineinander zu stellen, um die Wärmeübertragung gleichmäßiger zu machen.

Kann man die Methode auch im Backofen oder auf der Herdplatte anwenden?

Absolut. Im Backofen bei 180 °C Ober-/Unterhitze für 20 Minuten liefert die Methode dasselbe Ergebnis. Auf der Herdplatte genügt mittlere Hitze – die Schale auf einer beschichteten Pfanne oder einem Grillstein platzieren und mit einem Deckel abdecken, um den Dampf zu halten. Das finale Anbräunen erfolgt dann in einer separaten Pfanne mit einem Hauch Butterschmalz.

Was tun mit dem Sud in der Aluschale nach dem Grillen?

Den abgetropften Fond nicht wegwerfen: Er enthält Fleischsäfte, Bier- oder Apfelsaftaromen und gegebenenfalls die ätherischen Öle der Kräuter. In einem kleinen Topf kurz aufkochen, mit einem Teelöffel grobem Senf, einem Stück Butter und etwas Pfeffer abschmecken – fertig ist eine einfache, aromatische Senfsauce, die hervorragend zu Würstchen, gegrilltem Brot oder Kartoffelsalat passt.